Ich sagte meine Mitarbeit als Kuratorin spontan zu – aus einem einzigen Grund: Neugierde.
Da greifen sich zwei Berliner Jungs über 150 Bilder, obwohl sie keine Ahnung von Kunst haben, und wollen eine Ausstellung machen. Einfach so. In Berlin. In der Spandauer Straße. Also mittendrin.
Wir trafen uns am 15. August 2008 zum ersten Mal im OSTEL am Ostbahnhof. Dann ging es Schlag auf Schlag. Am 26. September soll die Ausstellung eröffnet werden, vorher müssen die 2.200 Quadratmeter noch komplett renoviert werden: alte Teppiche raus, Fußboden schleifen, Wände weißen, Fenster reinigen, Toiletten und Büroräume herrichten, Foyer gestalten – und natürlich muss die Ausstellung noch vorbereitet werden.
Ich sah die Entwürfe für die Einladung und zuckte zusammen. Na toll! Ich werde Kuratorin einer Ausstellung, deren Bilder ich noch nicht kenne, habe eigentlich keine Zeit mehr, aber schon zwei alternde Generalsekretäre im Retro-Design im Nacken.

Weil ich gerade für das Archiv eine Aus-stellung vorzubereiten hatte, hörte ich davon und rief entrüstet: „Was, ins Hotel? Sollen sie doch Reproduktionen von Van Gogh nehmen, die hingen oft in den Wohnzimmern der DDR!“
Danach ging es wohl noch einige Male hin und her mit Briefen und Telefonaten, bis endlich klar war: Nicht fürs OSTEL, sondern für eine eigene Ausstellung. Als mich Daniel Helbig dann persönlich anrief, war der Leihvertrag bereits unterschrieben und der Bildtransport schon unterwegs nach Berlin.
Daniel Helbig und Vater
Kunstarchiv Beeskow
Ich habe trotzdem keine Kehrtwendung gemacht, aus einem weiteren Grund: Begeisterung.
Da haben zwei berufserfahrene Männer eine Idee. Sie wollen Kunstwerke aus der DDR in Berlin zeigen, die kurz nach 1989 aus den öffentlichen Gebäuden in den Depots verschwanden und damit völlig aus dem Blickfeld der eigenen Erinnerung und der (Kunst)-Geschichts-schreibung.
Sie sind sich sicher, dass das Interesse an dieser Kunst ungebrochen.....
